Spieglein, Spieglein an der Wand…

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Ständig redete ich davon, dass Narben sexy sind, dass sie uns ausmachen, das wir sie aktzeptieren sollten, das wir uns selber lieben sollen. Doch ihr wisst, dass es meist einfacher gesagt ist, als getan. Ich habe lange dafür gebraucht um dort anzukommen wo ich heute bin. Denn auch ich hatte eine Zeit in der ich meinen Anblick verabscheute, dem Spiegel weitestgehend aus dem Weg ging, und wenn ich mal wirklich hinein sah, in Tränen ausbrach. Es gab Momente, da stellte ich mich mit vollem Bewusstsein nackt vor einen Spiegel um mich und meine Veränderungen zu betrachten, doch sobald ich reinsah, bereute ich es reingeschaut zu haben. Anfangs viel es mir nie großartig auf dass ich zunahm, bis eines Tages jemand in der Schule zu mir sagte, das mein Gesicht runder geworden sei. Bis ich einkaufen ging und jemand an mir vorbei lief und mir sagte was denn bloß auf mir geworden sei, ich wäre mal so hübsch gewesen und jetzt?  – Ein schlag ins Gesicht, und als ob es nicht schon reichen würde das ich zunahm und mein Gesicht runder wurde, wachte ich eines Morgens auf und meine Beine fiengen an zu reißen. Dehnungsstreifen machten sich bemerkbar. Erst fand ich es nicht schlimm, lachte noch mehr oder weniger darüber, bis es wirklich von Nacht zu Nacht immer mehr wurde. Erst die Innenseite der Oberschenkel, dann die Hüften, die Brüste, die Arme und selbst der Po blieb nicht aus. Ich bin wortwörtlich zerissen. Es sind einfach zu viele.. Es war zu viel für mich.

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“Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es in einem Spruch. Doch wenn man eins so ungeduldiger Mensch ist wie ich, dann ist die Zeit und das Warten das schlimmste an all dem. Eines Tages, wird alles zumindest verblasst sein. Doch wann ist eines Tages? Ich will das es jetzt gut ist, das ich jetzt wider schön bin, dass alles wider so ist wie es mal war. Doch ich kann nichts Rückgängig machen. So bleiben mir nur noch zwei Optionen. Mich verkriechen, hängen lassen und weiterhin daran kaputt gehen, oder aufstehen und das beste aus all dem machen… Nein, die Krankheit hat mich schon genug zerstört, ich lasse nicht zu, dass sie mir das letzte nimmt was mir gehört und ich worüber ich noch entscheiden kann. – Die Liebe zu mir selbst.

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Und so stellte ich mich weiter vor den Spiegel. Beobachte Stück für Stück wie alles wider verschwand. Zumindest mein Gewicht und mein “Mondgesicht“. Die Narben wurden blasser, mein Selbstbewusstesein wider größer, ich stand endlich wider da und lachte mich selber im Spiegel an, konnte wider lachen, einfach so, weil ich mich schön fand! Durch dass, was ich durchmachen musste, habe ich gelernt all das zu aktzeptieren, weil man an all dem einfach nichts ändern kann. Es bleibt einem nicht anderes übrig als damit zu Leben, anzufangen Stolz auf sich zu sein, seine Geschichte zu offenbaren, ohne sie erzählen zu müssen, durch die Narben.

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Zum Ende hin, wiederhole ich mich noch mal: Es kommt nicht darauf an was du hast, sondern was du aus dem machst was du hast! – Also, geh vor den Spiegel, schau dich an und sage dir, dass du schön bist! Frag dich selber was du am liebsten an dir magst und setzte den Fokus auf das was du am meisten an dir liebst, und vergiss nie, dass das was du austrahlst, viel wichtiger ist als dass was sich unter deinen Klamotten verbirgt.

Eure Saskia

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4 Gedanken zu “Spieglein, Spieglein an der Wand…

  1. Ich habe mich mal eben durch deinen Blog gelesen und muss tatsāchlich als erstes mal sagen : Respekt. Respekt für alles was du durchgemacht hast, für alles was du hier mit uns teilst und vor allem für deine nheimliche Stärke und Zuversicht die du ausstrahlst! Dein Schreibstil ist außerdem wahmsinn ( ich glaube du solltest echt darüber nachdenken deine Erlebnisse in einem richtigen Buch festzuhalten und zu veröffentlichen!
    Liebe Grüße
    Carolienschen alias FrauKleid

  2. was für ein toller Blog.
    Vlt beschäftigst du dich sogar eines Tages mal einige Sekunden mit etwas, dass nichts mit Dir oder irgendwelchen First world problems zu tun hat. „Erwachsen werden“, ja klar; weiter als über den Tellerrand eurer mickrigen Welt und euren Schminkspiegel hinaus denkt ihr ja im Endeffekt doch niemals.

    1. Hallo K.

      Ich weiß nicht wie du auf meinen Blog gestoßen bist und aus welchen Gründen. Ich finde es nur sehr schade dass du denkst in meiner Welt exestiere nur ein Schminkspiegel. Warum ich diese Texte schreibe hat seine Gründe und wenn du dir meinen Blog vollständig durchgelesen hättest dann wüsstest du grob worum es mir geht. Es geht nicht um mich, nur darum meine Erfahrung mit meiner Krankheit zu teilen, die mich eine Zeitlang sehr zerstört hat, ich fast nicht mehr leben durfte, worüber einige sich scheuen zu reden.

      Was ist verkehrt daran sich hin zu stellen und zu seinen Narben zu stehen? Sich trotzdem schön zu finden?? Fern ab von Schminkspiegeln? – denn in diesen gibt es viel zu viele die nicht mehr rein schauen wollen. – Ja, aussehen ist nicht alles, aber wenn man schon so viel durchgemacht hat, hat man das Recht sich nach Jahren wider in seinem Körper wohl zu fühlen..Da geht es durch aus weniger um Schminke, sondern anderen damit Mut zu machen .. und da kann ich dir sagen, dass ich es durchaus schon geschafft habe und ich darauf wirklich stolz bin.

      Ich aktzeptiere deine Meinung, finde es aber trotzdem schade das du nicht erkennen kannst worum es genau in meinen Texten geht.

      Trotzdem alles gute für dich.

      Saskia.

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