Rock am Ring und die Toiletten

Ich sage mal so. In diesem Post geht es um meinen Darm, die Toiletten bei Rock am Ring und etwas das ich bisher noch nie getan habe, es aber musste, weil ich eben musste.

Die Frage ist, wie fange ich an? Mache ich mir die Mühe alles schön mit Schmetterlingen zu umschreiben, oder hau ich einfach raus wie es wirklich war!

Ich denke ich Wähle Option zwei, denn gerade ist mir nicht nach Schmetterlingen und Zuckerwatte. Rock am Ring 2017 war für mich wortwörtlich scheiße. Nicht wegen dieser Terrorwarnung oder weil die Bands für den Arsch waren (im Gegenteil) sondern weil ich dank meines Bauches und der örtlichen Toiletten-Situation im dauerstress war. Doch fangen wir mal von vorne an.

_MG_1381

Kim und ich sind freudig früh am Morgen aufgestanden und nahmen uns nochmals den Plan der Campingplätze zur Brust. „Ich brauche vernünftige Toiletten Kim!“ – Das war mein einziges Ziel, denn mir graut es UNGEMEIN vor Dixiklos (Da gehe ich lieber im Wald!) Unsere Auswahl ist schnell gefallen, doch änderte sich unser Plan, denn der Campingplatz auf den wir ursprünglich wollten war schon voll als wir ankamen. – Nicht so schlimm, denn wir landeten deshalb auf dem Krebsberg und WOW war es schön dort. Um uns herum nur Berge und ein wirklich unbezahlbarer Ausblick. Doch das banal wichtigste: Die Toiletten. Etwas weiter weg, aber super! Da wir im Unterenteil des Campingplatzes waren erwartete uns nämlich jedes mal ein Fußmarsch von ca 6 Minuten, an den wir uns aber relativ schnell gewöhnen konnten. Einziges Manko hier, es waren irgendwie zu wenige Toiletten für einen Campingplatz für mal so grob geschätzte 600 Menschen. Musste man also um 9:00 aufs Klo, so stand man dann auch schon mal 20 Minuten an. Doch auch das war okay, denn immerhin funktionierten die Toiletten und wurden durchgehend sauber gehalten. Einmal hat uns sogar eine kleine Band die Wartezeit versüßt und richtig die Stimmung eingeheizt. Ein wahrer Toiletten-Moment.

Und dann kam auch schon der Freitag. Im Bus schon gut die Stimmung angehoben und nur noch die Minuten gezählt bis man dann endlich auf dem Gelände war. Ab durch die Kontrolle, Bild vor dem Schild geschossen und schon ging es auf Toiletten suche. So mache ich das immer. Am Anfang eines schönen Tages erst einmal auf Toilette gehen um danach in der Regel die nächsten Stunden genießen zu können. Mein erster Toilettengang war eigentlich ganz ok. Direkt einen Toilettenwagen gefunden, der soweit in Ordnung war. Waschbecken mit in der Kabine, alles funktionierte, alles war soweit sauber. Doch dann standen wir im Wellenbrecher A. Und in diesem Bereich, wo auch sehr sehr viele Menschen hin passten, gab es sage und schreibe 10 Toiletten. Ohne Waschbecken! Nach dem man sich hier also ca. ne halbe Stunde eine Toilette erkämpft hatte, da es aufgrund von Platzmangel keine wirkliche Schlange gab, konnte man dann nicht einmal in Ruhe auf Klo, sondern musste sich extremst abhätzen, weil bei Menschen die gefühlt länger als 2 Minuten brauchten, heftig an die Tür geklopft wurde. Doch das fehlende Waschbecken war für mich das größte Problem. Wo um himmelswillen nehme ich jetzt das Wasser her um meinen Katheter zu reinigen? Gestresst stand ich dann da und ja, es mag nicht gerade hygienisch klingen, aber ich hatte keine andere Wahl, außer das Wasser aus der Toilette in meine Blasenspritze aufzuziehen und meinen Katheter mit diesem Wasser durch zuspühlen. Selbstverständlich habe ich jedoch vorher 3 mal die Toilettenspühlung gedrückt und versucht das fließende Wasser aufzunehmen. – Not macht eben erfinderisch. Toilettengang beendet – Broilers grade am spielen und dann kam auch schon die Durchsage. Rammstein also nicht aus Block A.

Kurz zum Thema Terrorwarnung: Als ich die Durchsage hörte wurde mir wirklich direkt ganz anders. Ich bekam ein kleines bisschen Panik und fühlte mich extrem unwohl. Kim neben mir regte sich nur lauthals über die Absage von Rammstein auf, ich hingegen zerrte die ganze Zeit nur an ihrer Hand weil ich weg wollte. Doch alles lief super entspannt ab und nach dem wir den Notausgang durchquerten rief ich direkt Patrick an um mir ging es besser.

_MG_1377

Kommen wir jetzt zu Tag zwei und der Tag an dem alles am schlimmsten war. Menschen die mit offenen Details bezüglich Toilettengängen nicht umgehen können, sollten diesen Teil überspringen. Denn jetzt bin ich ehrlich. Tag eins in Block A hatte seine Spuren hinterlassen und früh am Morgen plagten mich schon stressbedingte Bauchkrämpfe. Wieder am Gelände angekommen, wieder auf dem Weg zum selben Klo. 20 Minuten angestanden um dann heraus zufinden, dass der Wassertank der Toiletten leer war und es somit für mich nicht möglich war, diese Toilette zu benutzen. Auf der Suche nach einer Alternative, fand ich ein Behindertenklo mit einer semilangen Schlange. Ich überlegte einen kurzen Moment frech zu fragen, wer denn hier wirklich eine Behinderung hat, denn ich war mir so ziemlich sicher, dass ich einer der wenigen war, die tatsächlich behindert ist. So gesehen hätte ich also ein Vorrecht gehabt. Da ich sowas aber irgendwie nicht kann, stellte ich mich brav in der Schlange an. Irgendwann stellte sich dann heraus, dass die Tür dieses Behindertenklos kaputt war und man deshalb nicht abschließen konnte. Und dann der Graus, ich bin dran und was erwartet mich? Ein bis oben hin vollgepisstes Klo! Herrlich, die Spülung war auch hier defekt. Ich musste jedoch so dringend, dass ich ebenfalls noch etwas Pipi auf diese ohnehin schon überfüllte Toilette kippte. Doch mein Pouch und mein Bauch fingen schon an zu drücken und ich musste jetzt wirklich! Okay, Klo verstopft was kann ich tun? Da rein machen wollte ich nicht, denn meine Scheiße würde in der Schüssel voll Pisse ziemlich auffallen. Da ich aber den Vorteil des im stehen Kacken habe, entschied ich mich dafür meinen Darm im Waschbecken zu entleeren. Und nein, dafür hockte ich nicht auf dem Waschbecken, sondern stand ganz „gechillt“ davor. Innerlich aber total gestresst, weil alle da draußen warteten. Ich halbwegs erleichtert am Waschbecken, bis auffiel, dass dieses einen sehr langsam ablaufenden Abfluss hat. Ich konnte also nur in Intervallen Wasser laufen lassen und zu allem Übel viel mir erst auf nach dem ich fertig war, dass ich mir hier und da etwas Scheiße im ganzen Stress auf die Hose tropfte! (Ihr müsst euch vorstellen, das was bei mir rauskommt ist in der Regel flüssig!) Ich verließ das Klo, machte diese unangenehme Entdeckung und war kurz davor zu heulen und zu gehen weil ich absolut mit ALLEM überfordert war. Ich hatte nichts anderes im Kopf, außer diese wirklich absolut beschissene Toiletten-Situation und überlegte insgeheim wie ich unauffällig die kleinen Tropfen meiner Scheiße wegbekommen könnte. (Lösung: Ich holte mir nen Becher Leitungswasser und machte mir die Flecken einfach mit Wasser und einem Taschentuch wieder weg!) Ein glück war meine Hose schwarz und ich bin mir sicher, niemand wären sie aufgefallen oder hätten die Flecken mit dem in Verbindung gebracht wovon ich euch erzählte. Aber die Tatsache über mein Wissen was ich da habe und was da eben auf dem Klo passierte beunruhigte mich und machte mich traurig. Doch am schlimmsten war, dass ich Kim verloren hatte und dort mit Menschen saß die ich erst an dem Wochenende kennenlernte. Ich hatte also gerade niemanden dem ich mich vollstens anvertrauen kann. Nach einer Weile jedoch fand ich Kim, wir schauten uns zwei Bands an, liefen zu den Totenhosen und waren so am Arsch, dass wir nach drei Songs gingen. Nach dem ich Freitag also nur eine Band vollständig gesehen hatte, sah ich am Samstag nur zwei. Den Rest der Zeit, verbrachte ich mit anstehen und suchen von Klos! (Wir waren allerdings nicht vor Ort wenn die Tore öffneten sondern immer etwas später, so ab 16:00 Uhr!)

_MG_1361

Die Bauchschmerzen hörten nicht auf. Auch nicht nach meiner regelmäßigen Einnahme von Buscopan. Am nächsten Morgen: Immer noch Bauchschmerzen und ich: Keine Erklräung woher diese kommen könnten. Heute ist der Tag der Tage! Kims Lieblingsband spielte und zu meinem Glück fuhren wir dieses mal sehr spät zum Gelände! Eine Band kam noch vor dem Headliner und ich schaffte es diesmal gerade so ohne einen Toilettengang auszuhalten. Block B ganz vorne! Geiler Platz. Gott sei dank, denn Kim hasste mich einen kurzen Augenblick weil ich unbedingt ein kostenloses Regencape haben wollte, wir dieses suchten, keines fanden und deshalb wirklich ungelogen 30 Sekunden zu spät an den Ampeln waren bevor sie im Wellenbrecher A auf rot sprangen. Doch dank meiner durchschlängelkünste ergatterten wir einen schöne Luftblase in Block B ganz vorne.

Mein Fazit? 1. Die Bauchschmerzen kamen zu 100% vom Stress. Zuhause angekommen waren sie wie aus dem nichts verschwunden. 2. Nächstes mal vielleicht lieber Novalgin mit nehmen. 3. Vielleicht sollte ich es mal mit kiffen versuchen! – Habe ich erst einmal, aber hin und wider dachte ich, vielleicht könnte es ja helfen mir den Stress zu nehmen und den Darm zu entspannen. 4. Darauf hoffen, dass die Toiletten-Situation nächstes Jahr besser ist, denn 5 WC Anlaufstellen mit ca. jeweils 20 Toiletten (macht insgesamt in etwa 100 Toiletten) ist meines Erachtens etwas zu wenig um die Grundbedürfnisse des Menschen auf vernünftige Art und Weise zu befriedigen.

Habt ihr Tipps, wie man am besten mit solchen Situation umgehen kann? Oder hattet ihr selbst auch schon einmal ähnlich Erfahrung? Ich freue mich über eure Geschichten oder Antworten.

Alles liebe für euch, Saskia.

Processed with VSCO with p5 preset

P.S. Ach ja, meine Ausbildung ist fast vorbei, ich fange bald einen neuen Job an und Patrick und ich suchen uns gerade eine gemeinsame Wohnung! Außerdem habe ich nun mit der Fotografie angefangen schaut doch mal auf meiner Seite nochsoeinefotografie vorbei! Bei Projekt Grenzenlos sind wir auch schon wieder fleißig in der Planung für das nächste Shooting. Also haltet die Augen offen, bald könnt ihr euch bewerben 🙂

 

 

Advertisements

6 Gedanken zu “Rock am Ring und die Toiletten

  1. Wow! Total offen und ehrlicher Post! Finde es gut dass du so offen mit allem umgehst und einfach schreibst wie es ist! Respekt!! Finde auch dein Projekt einfach super!
    Glaub ich dir wirklich, dass du bei dieser Situation bei Rock am Ring so gestresst bist. Hoffe für dich mit, dass nächstes Jahr vllt paar mehr und ordentliche Toiletten da sind.
    Ganz ganz liebe Grüße :*

  2. Hey.
    Danke für den super ehrlichen Post! Als angehende Ergotherapeutin interessiert es mich immer wie Menschen mit ihren Herausforderungen um gehen.
    Zu deinem Problem mit dem Wasser: vielleicht kannst du ja nächstes Jahr zwei faltbare Flaschen mitnehmen, eine zum trinken und die andere nur für den Katheter. Die Flasche kannst du ja immer da wo es ein Klo gibt auffüllen und benutzen. Und noch ein Tipp, komm nächstes Jahr zum Green Camping, wir hatten nie überfüllte Toiletten, das längste was wir warten mussten waren 10 Minuten und weil sich dort alle eher der Ordnung verpflichten ging da alles sehr gut 😊
    Ich hoffe du hast nächstes Jahr ein schöneres Erlebnis ganz ohne Stress 💕

  3. Sehr gut und offen geschrieben 😉
    Ich kenne ähnliche Situationen was Toiletten betrifft… Durch meine Angststörung hab ich ständig Durchfall *sorry* und natürlich immer dann,wenn es ungünstig ist 😉
    Auch ich,muss vorher IMMER die Toiletten abchecken. Sonst bin ich nicht entspannt u in Gedanken immer „auf klo“.
    Von dem her weiss ich genau,wo in welcher Stadt gute Toiletten sind! Mein Mann sagt immer mit einem grinsen, „Andere bieten Stadtführungen an,du könntest Toilettenführungen anbieten“. 😬
    Zurück zu deinem Erlebnis,du hast es trotz diesem Stress immer geschafft,für dich eine Lösung zu finden. Also,alles richtig gemacht 😬

  4. Liebe Saskia… diese Stresssituation kenne ich nur zu gut, deswegen habe inzwischen immer schwarze Müllbeutel dabei! Wenn ich mich zu sehr ekel oder die Sanitären Anlagen es aus anderen Gründen nicht zulassen, dann entleere ich eben in den Müllbeutel und werfe den weg. Ins Waschbecken habe ich es auch schon mehr als einmal gemacht, allerdings checke ich vorher ab ob alles zügig abläuft und der Wasserdruck vernünftig ist.
    Wenn ich noch einen Trick finden sollte, wie man trotz der wartenden Menschenmassen vorm Klo entspannt den Katheter einführen kann, melde ich mich wieder ;o) das war nämlich für mich schon oft der Grund, warum ich nicht entleeren konnte 😦
    Alles Gute für dich und viele Grüße
    Ariana

  5. Oh wow.. Also ich war selbst noch nie bei Rock am Ring, hab bzgl der Toiletten aber schon einige Horrorgeschichten gehört – auch die letzten Jahre schon.. Ich bin seit 2012 (also dieses Jahr das 6. Mal) auf dem Hurricane und ich hab glücklicherweise die Möglichkeit richtig lange anzuhalten.. ich warte also ewig, gehe dann auf die Spülklos und kann dann wieder ewig aushalten.. Aufs Dixi geh ich nur, wenn es absolut gar nicht anders geht, aber ich bin gesundheitlich auch nicht eingeschränkt und bewundere dich so dafür, dass du solche Situationen immer iwie meisterst – ich find dich sowieso mega stark wie du damit umgehst (wollte ich in dem Atemzug dann auch mal loswerden :D).
    Was ich allerdings außerdem glaube ist, dass die es auf dem Hurricane um einiges besser machen mit den Toiletten.. klar, die Dixis sind auch nicht immer schön, aber es gibt immer reichlich Spülklos überall und so verdreckte Toiletten dort, wie du beschrieben hast, hab ich dort auch (glücklicherweise) nie gesehen (mit Ausnahme einiger Dixis selbstverständlich :D).. Natürlich rock am Ring ist nochmal etwas größer, aber die veranstalten das Festival ja nicht zum ersten Mal und wie gesagt ich hab schon oft ähnliche Geschichten gehört – sowas hab ich nicht mal letztes Jahr auf dem Hurricane erlebt und da war das ganze Wochenende ja letztendlich auch versunken.. 😀
    Ich hoffe du hattest dennoch ein tolles Wochenende und eine schöne Zeit und drück dir Daumen, dass es nächstes Mal besser ist.. 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Nadja

  6. Hej !
    sehr ehrlich geschrieben =) toll !

    zu deinem Problem hast du ja schon einige Tipps bekommen. Mir fällt jetzt auch nichts besseres ein 😉
    ich war das erste mal vor 10 Jahren auf dem Southside, danach jährlich auf verschiedenen Festivals. Außerdem auf bis zu 3 Konzerten in der Woche. Dass ganze über viele Jahre.
    Zeitgleich wurde vor fast 10 Jahren eine Bipolare Störung (damals Depression) diagnostiziert und ich nehme seither Medikamente. Das alles war also auch nicht einfach und ich hatte sicherlich auch mal schlechte psychische Verfassungen auf Fesitvals oder Konzerten.
    Was ich damit sagen will, man darf halt auch kein Luxus erwarten auf Festivals. Vielleicht sind die Standards inzwischen besser geworden aber es ist eben ein Festival 😉 ich verstehe dein hier körperliches Problem bzw die Problematik! Du hast es eben noch schwieriger wie ein körperlich gesunde Frau. Und die haben es auf Festivals bzw. Konzerten ja eh schon schwerer wie zb Männer die überall hinpinkeln können.

    Trotz all dem, glaub mir, du wirst dich trotzdem an all die tollen Dingen vom Ring erinnern ! Und das ist es doch was zählt! Außerdem lernst du daraus, vielleicht kannst du beim nächsten Mal ein paar Tipps umsetzen =)

    Liebe Grüße =)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s